Sinn, Unsinn und Irrsinn von Grenzen

Wir alle haben Anteile in uns, die Verletzung, Missachtung, Übergriffe oder Vereinnahmung erfahren haben. Da in uns auch eine tiefe Sehnsucht in die Einheit strömt, gibt es Konflikte mit dem Thema Grenzen setzen. Eine Grenze ist eine Trennung. Wir trennen etwas, was in der Alleinheit verbunden ist. Ich beobachte in meiner Arbeit, wie konfus das Menschen macht. Anteile wollen eine schützende Grenze und Anteile wollen Verschmelzung und gemeinsam in der Liebe schwingen.

„Der Sinn von Grenzen“

Grenzen machen Sinn, um zu heilen. Sie sind vorübergehend wie eine Medizin. Es gibt Lebensabschnitte in denen Grenzen nötig sind, um bei sich anzukommen. Zeit mit sich zu haben, in der sich z.B. ein inneres verletztes Kind wieder lernt zu vertrauen. Das braucht unseren eigenen sicheren Raum. Eine Grenze macht auch Sinn, um eine vergangene Beziehung zu verarbeiten. Dazu kann räumlicher Abstand gut tun und nötig sein. Um einen Verlust zu betrauern, braucht es auch den eigenen Raum, zugänglich nur für bestimmte Vertrauenspersonen. Es ist wichtig, dass auch alte Anteile die Grenzen brauchen, angesehen und integriert werden. Sie werden sich in der Geborgenheit unseres Herzens entspannen, bis sie keine Grenze mehr haben wollen und ganz am Leben teilhaben. Viele Menschen, aller Altersgruppen, finden das Leben heute bedrohlich. Das Leben sitzt ihnen mit all den Ängsten und Herausforderungen auf der Pelle. Es ist zu nah, es bleibt kaum Luft zum Atmen. Es fehlt sicherer Raum, um zur Ruhe zu kommen.

Also „Ja“, wir dürfen klare Grenzen für uns bestimmen. Fällt es uns schwer, ist es wichtig zu schauen, wovor wir Bedenken haben. Besteht die Möglichkeit dann abgelehnt zu werden? Oder gehören wir dann nicht mehr dazu? Ich respektiere die persönlichen Grenzen eines Menschen.

„Unsere natürlichen Grenzen achten“

Wie belastbar ist unser Körper? Wir haben gelernt Leistung bringen zu müssen und zu funktionieren. Viele nehmen Alarmsignale ihrer Seele nicht ernst. Obwohl ihr Körper schreit, gehen sie über ihre Grenzen hinaus bis zum Zusammenbruch. Das ist dann wieder gesellschaftlich anerkannt, Herzinfarkt mehr als Seeleninfarkt. Viele Menschen sind soweit im Außen, dass sie sich nicht mehr fühlen. Sie spüren sich erst wieder, wenn sie sich längst weit überfordert haben. Ein harter Weg zu sich selbst, doch auch ein Weg, den leider Viele wählen. Frage, was können wir noch geben, wenn wir leer und ausgebrannt sind? Achten wir liebevoll auf uns, um ein Geschenk für Mitmenschen und Erde zu sein?

„Der Unsinn von Grenzen“

Vielleicht sind es die unangenehmen Menschen und Situationen, die uns ein großes Stück weiterbringen? Vielleicht sind Erkenntnisse aus den Erfahrungen gerade mit ihnen möglich. Dann ziehen wir eigentlich eine Grenze vor einer Erfahrung, die uns wachsen lassen könnte.

Die Frage wird sein, wie bewusst sind wir in diesem Moment. Können wir klar unsere Bedürfnisse und Motivationen erkennen? Haben wir eine Wahl zu entscheiden? Oder läuft unbewusst ein Rückzugsmuster ab? Heute spüre ich eine Klarheit, die sich anders anfühlt, als die Energie von Grenzen. Über Grenzen hinausgegangen zu sein. Alle Jahre achtend, in denen Grenzen die Rettung waren. Locker, spielend, ohne Angst jederzeit ein Stop setzen zu können, wenn der Impuls dazu da ist. Ohne auszugrenzen, Alles segnend. Der Weg geht weiter immer freier zu sein, keine Grenze zu ziehen, zwischen mir und dem Anderen.

Ich beobachte auch, wie sich gerade spirituelle Menschen, auch Lehrer und Gemeinschaften, selbst ausgrenzen, isolieren, separieren. Meist in dem Glauben, wir sind ja was Besseres. Ich, wir machen keine Machtspielchen mehr usw. Sie leben echt in einem eigenen Universum… und spielen darin ihre Spiele. Sie benutzen Grenzen vor störenden Energien. Dahinter steht Angst und oft auch Mangel, das nicht genug da wäre für alle. Kein Bewusstsein dafür, dass die Liebe ständig das Ungeliebte mit in ihre Liebe einschließt. Die Liebe liebt einfach.

„Grenzen heilen“

Bewusstseinsarbeit ist die innere Arbeit mit der wir Grenzen beleuchten können. Wir können sie neu und bewusst wählen und dann auch ausdrücken im Alltag unseres Lebens. Grenzen können wir durch Energiearbeit wahrnehmen, klären, stärken oder auflösen, wenn wir sie nicht mehr brauchen. Fühle deine Grenzen. Stell dir deine Grenzen wie eine schillernde Seifenblase um dich vor, die dich und dein Leben umgibt. Nimm diese Energie immer klarer wahr.

Spüre wie du ungefähr eine Armlänge Raum um dich hast. Die Grenze, die deinen physischen Körper umgibt, ist die erste Grenze, die wir als Menschen lernen.

Fühle einmal ganz bewusst, welche Energie außer deiner in deinem Raum um dich ist. Sind es deine Gefühle, deine Gedanken, deine Seele, deine Kreativität? Nimm wahr, wenn etwas nicht zu dir gehört. Es kann sein, dass es deinem Vater, oder deiner Mutter nicht gut ging und du schon als Kind begonnen hast, Energiepäckchen, die sie überforderten zu übernehmen. Vielleicht ist dir diese Energie so vertraut, dass du glaubst sie gehört zu dir. Mach dir Anteile bewusst, für die du Verantwortung übernommen hast, die nicht zu dir gehören. Du hast sie in deinen Raum hineingenommen, bewusst oder unbewusst.

Wenn wir Gewalt erfahren haben, verbal oder körperlich, angeschrien oder geschlagen wurden, zerbrechen unsere Grenzen und wir sind gewaltvollen Energien ausgeliefert.

Auch jede körperliche oder sexuelle Grenzüberschreitung durchlöchert den Raum eines Menschen. Das ist ein sehr schmerzvolles Thema. Wenn du spürst, dass du wütend, traurig oder verzweifelt wirst, bist du in Berührung mit verletzten Grenzen deines eigenen Raumes, die heilen wollen. Es kann erschütternd sein, den Zustand seiner Grenzen wahrzunehmen. Erschütternd große Löcher können da sein. Schaffe dir wieder einen stabilen lebendigen Raum in und um dich, in dem du dich sicher und geborgen fühlst. Mit Aufstellungsarbeit kannst du Energien entlassen, die nicht zu dir gehören und dir nicht gut tun.

„Irrsinn von Grenzen“

Als Kind an einem Dreiländereck aufgewachsen hab ich mich oft nur gewundert über die Grenzen. Unverständlich war für mich, das Menschen nur ein paar Meter weiter wohnen und eine total andere Sprache sprechen. Jahrelang konnten wir mit dem Fahrrad einfach hin und her mal ein Brot holen. Dann war diese Grenze jahrelang zu. Ich hab mir damals Bäume angeschaut, die auf der anderen Seite standen. Diese Sprache war gleich.

Menschen sind auf dieser Welt in Klassen, Schichten, oder Kasten sortiert. Und das schon lange, nicht nur arm und reich. Als Seele wählen wir Erfahrungen in all den verschiedenen Möglichkeiten. Mit einem begrenzten Bewusstsein können wir total in einem abgetrennten Bereich leben. So stehen Menschen als Opfer in ihrem Leben, und andere Menschen glauben immer noch, dass Leid des Anderen geht sie nichts an. Beide leben in ihrem Bewusstseinszustand. So auch Völker in Armut und Angst. Oder andere Völker in Reichtum und seelischer Armut, bedacht ihre Grenzen, ihren Reichtum zu schützen. Auch innerhalb der Völker gibt es ein Gefälle zwischen Wohlstand und Existenzminimum. Der Absturz des deutschen Flugzeuges in Frankreich, der unglaublich viel Schmerz hinterlässt, zeigt uns wie Grenzen aufbrechen. Menschen aus verschiedenen Nationen, scheinbar bunt zusammengewürfelt, verunglücken. Egal aus welchem Land oder welcher Ebene Angehörige kommen, stehen sie im Leid. Darin sind sie nicht getrennt.

Mit dem Erwachen, Erkennen und Fühlen der Verbundenheit, verändert sich unser Blick. Ba, die Blase zerplatzt. Wir sind draußen, raus aus der isolierten Flasche, die Weite des unendlichen Energieozeans erlebend. Ungeahnte Freude ist da, auch wenn Ängste während der Arbeit mit uns selbst aufsteigen. Eines ist ganz anders, wir wissen, was wir einem Anderem antun, tun wir uns selbst an.

in Liebe – Silke

Clef two-factor authentication